Ein Sturzbericht
Was macht die Faszination des Radsports aus? Ja richtig, mitreissende Zweikämpfe an schier endlosen Bergen, der Kampf von Helden gegen Wind und Sauwetter, knappe Sprintentscheidungen oder überraschende Angriffe. Nicht zu vergessen sind aber spektakuläre Stürze, herumfliegende Räder, Körper welche über den Asphalt geschleudert werden und sich mehrmals überschlagen und dann schliesslich irgendwo zum Stillstand kommen.
Jeder Rennfahrer ist natürlich darum bemüht den Radsportfans Grund für ihre Faszination an dieser Sportart zu geben. Die einen Bereiche deckt man gerne ab, andere vielleicht weniger. Aber auch Stürze gehören in die Laufbahn jedes Rennfahrers.
Was braucht es denn, damit ein Sturz in die oberste „Spektakularitätsklasse“ kommt und die Zuschauer regelrecht vor den Fernseher fesselt?
Ich versuche diese Frage in vier Punkten zu beantworten und klassifiziere auch gleich einen Sturz von mir aus dem letzten Frühjahr nach dieser Regel:
- Das Rad muss nach dem Sturz gröber deformiert sein, zum Beispiel so: (siehe Bild)
Diesen Teil erfüllte ich bei meinem Sturz relativ gut. Als Hilfsmittel wählte ich einen Harleyfahrer, welcher mich überfahren sollte, falls ich plötzlich nach einem Sturz auf dem Boden liegen sollte, also ganz nach dem Sinne „doppelt genäht hält besser“. Als es vor einem Rennen innerhalb meines Teams zu einem Sturz kam und ich dann tatsächlich auf dem Boden lag, erfüllte der Töfffahrer seine Aufgabe mit Bravour und donnerte mit einer „schönen“ Geschwindigkeit in mich hinein um die minimalen Raddeformierungen nach dem ersten Sturz zu „verbessern“ Hut ab, tolle leistung!
- Das Spektakel sollte für möglichst viele Leute sichtbar sein.
Diesen Punkt konnte ich halbwegs befriedigend erfüllen. Zwar wählte ich einen Ort mit eher wenig Leuten, mit der Zeit fanden die Leute aber trotzdem an diesen Ort, da er relativ zentral lag. Ich konnte mich auf jeden Fall über eine schöne Menschentraube freuen, welche sich um mich herum bildete.
- Der Stürzende sollte keine Angst vor Verletzungen haben und nach dem Sturz möglichst viele davon haben.
Note zu diesem Kriterium: knapp genügend. Mein Sturz sah fürchterlich genug aus, damit der Krankenwagen schnell kam (Helikopter wäre natürlich besser), der Abtransport auf der Bahre mit Halskrause war nicht schlecht, könnte aber natürlich besser sein. Die Diagnose im Spital: „Bruch des Wadenbeins“ war in der Dramatikskala von 1 bis 10 vielleicht eine 3. Die Sichtbaren Verletzungen waren mit einem geschwollenen Bein und einem Bluterguss eher ungenügend.
- Der Rennfahrer sollte so schnell wie möglich wieder auf dem Rad anzutreffen sein, damit er erneut für Spektakel sorgen kann.
Um dies zu bewerkstelligen absolvierte ich ein Mammut-Compex-Programm
und machte ein „Beinabschwellungsprogramm“ auf der Rolle.
Hier ist aber zu erwähnen, dass die Diagnose „Wadenbeinbruch“ korrigiert wurde und dieses Programm also zu verantworten war.
2 Wochen später konnte ich dann auch schon wieder das nächste Rennen bestreiten, im Verlaufe der weiteren Saison musste ich dann weitere 2 Stürze verbuchen, diese haben aber beide wesentlich schlechtere Noten verdient wie der erste.
Ich denke, dass ich bei Berücksichtigung aller Punkte auf eine Gesamtnote von ungefähr 4.3 komme.
Zum Schluss wünsche ich allen Lesern dieses Textes und Anhänger der faszinierenden Sportart Radsport gute Fahrt!
Hubert Schwab
link zu seiner website: www.hubertschwab.ch
















0 responses so far ↓
There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.
Leave a Comment